Wolfram Dejaco
Praxis fĂŒr Physiotherapie und Feldenkrais
Guggenberg-Strasse 34
I-39042 Brixen
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Der berufene Feldenkrais-PĂ€dagoge

Wolfram Dejaco, langjĂ€hriger Physiotherapeut und Feldenkrais-PĂ€dagoge, erzĂ€hlt von seiner ersten Begegnung mit der Feldenkrais-Methode und von einem unvergesslichen Erlebnis, das ihn zu einem ĂŒberzeugten Feldenkrais-“Practitioner“ werden ließ.

Es dĂŒrfte ungefĂ€hr 30 Jahre her sein. Ich stieß damals immer wieder auf ErzĂ€hlungen von Kollegen und anderen am Gesundheitsbetrieb interessierten Menschen, die begeistert von MoshĂ© Feldenkrais berichteten. Einem kleinen Herrn mit schlohweißem Haar, von rundlicher Statur, mit verschmitztem Gesicht – dem Ruf nach ein respektloser Geselle, aber zugleich sehr einfĂŒhlsam. Die Geschichten, die sich um ihn ranken, mögen zum Teil ĂŒbertrieben und zum Teil erfunden sein, aber da war etwas, das mich neugierig machte. So begann ich nach Literatur zu forschen und wurde bald fĂŒndig. Der Titel des ersten Buches von MoshĂ© Feldenkrais, das ich erstand, lautete „Bewusstheit durch Bewegung“. Die Sprache war zwar etwas eigenartig und altmodisch, was wohl an der Übersetzung gelegen haben mag, die Art aber, wie Feldenkrais lehrte, BewegungsablĂ€ufe zu optimieren, faszinierte mich sofort. In Folge besorgte ich mir seine weiteren Werke, und bald dĂ€mmerte mir, dass es sich hierbei nicht um eine einfache Bewegungsmethode handelte, sondern um Lernen schlechthin: Feldenkrais benĂŒtzt Bewegung als Mittel zum Lernen.

Organisches Lernen.
Bewegung als Mittel zum Lernen – wie funktioniert das? Wir bewegen uns doch alle – warum lernen wir dann nicht wie selbstverstĂ€ndlich, uns auf bestmögliche Art und Weise zu bewegen? Bewegung ist eine grundlegende Eigenschaft des Lebens. Unsere ersten angeborenen Bewegungen wie zum Beispiel das Kopfdrehen, Saugen und Schlucken sind unser erster Schritt zur Orientierung im Raum. Bald experimentieren wir mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen und entwickeln sprichwörtlich Schritt fĂŒr Schritt den aufrechten Gang. Der Weg dahin fĂŒhrt ĂŒber ein kontinuierliches, intuitives Versuchen. Diesen eigenstĂ€ndigen Drang zum Lernen nennt Feldenkrais organisches Lernen.

Erste praktische Erfahrung.
Bald darauf hatte ich Gelegenheit, meine erste praktische Erfahrung nach Feldenkrais zu machen. In einer typischen „Bewusstheit durch Bewegung“-Stunde, die immer in der Gruppe stattfindet, befinden sich die Teilnehmer in RĂŒckenlage, Bauchlage, Seitenlage, im Sitzen oder im Stehen. GemĂ€ĂŸ den Anleitungen des Feldenkrais-Lehrers fĂŒhren sie mit möglichst großer Aufmerksamkeit Bewegungen aus, die sie hinsichtlich Kraft, Rhythmus und Bewegungsumfang eigenstĂ€ndig minimal variieren können. Dies hĂ€lt die Aufmerksamkeit, verbessert die SensibilitĂ€t fĂŒr Bewegung und normalisiert die Muskelspannung. Feine Unterschiede werden kontinuierlich klarer wahrgenommen. „Mir sind von dieser ersten Begegnung keine bestimmten BewegungsablĂ€ufe im GedĂ€chtnis geblieben, aber es war beeindruckend zu spĂŒren, wie Bewegung, zusammen mit aufmerksamem und bewusstem Beobachten und stetem Hinterfragen dessen, was man macht, zum Erlebnis werden kann. Bewegung hatte mir schon immer Spaß gemacht. Als Jugendlicher war Sport angesagt und spĂ€ter dann das Wandern im Gebirge. Nach dieser Feldenkrais-Stunde aber hatten meine Bewegungen eine ganz andere QualitĂ€t. Sie waren weicher geworden, flexibler angesichts einer neuen, weitaus grĂ¶ĂŸeren Auswahl an Bewegungsmöglichkeiten. Mit der Zeit habe ich an mir selbst erfahren, was MoshĂ© Feldenkrais mit Aussagen wie „...ich möchte, dass ihr bewegliche Gehirne bekommt, nicht bewegliche Körper“ eigentlich bezwecken wollte. Neben dem körperlichen Vorteil, den man aus dieser Bewegungsarbeit gewinnen kann, geht es vor allem um den Erhalt der PlastizitĂ€t des Gehirns. Die FĂ€higkeit, geistig beweglich zu bleiben, ist sein grĂ¶ĂŸtes Anliegen.

Neue Berufung.
Nach dieser ersten Begegnung mit der Feldenkrais-Methode war mein Entschluss gefasst: Die Ausbildung zum Feldenkrais-Lehrer war mein nĂ€chstes Ziel. Ein halbes Jahr spĂ€ter stand ich am Anfang der Ausbildung, und damit begann ein neues Abenteuer. Ja, ein Abenteuer, denn ich war ĂŒberzeugt gewesen, beweglich zu sein, um dann festzustellen, dass ich mich in festgefahrenen Bahnen und stark eingeschrĂ€nktem Maße bewegt hatte – in einem winzigen Teil dessen, was mir tatsĂ€chlich zur VerfĂŒgung stehen könnte. Denn es ist nicht das Ausmaß der Bewegung, das zĂ€hlt, es sind die Kombinationsmöglichkeiten, die meine SpielrĂ€ume erweitern. Zur Erfahrung „Bewusstheit durch Bewegung“ in Gruppenarbeit gesellte sich bald auch die Funktionale Integration, also die individuelle Arbeit. Manche wĂŒrden es vielleicht Behandlung nennen, ist es aber nicht. Funktionale Integration ist ein non-verbaler Dialog zwischen Feldenkrais-Lehrer und „SchĂŒler“, bei dem beide auf derselben Ebene kommunizieren. Beobachtung, Druck auf Gelenke und Muskeln, Zugkraft und die passive Bewegung von Körperteilen sind Elemente, die dem Feldenkrais-Lehrer vermitteln, wie gut die Verbindungen der einzelnen Körperteile untereinander sind. Gleichzeitig geben sie dem SchĂŒler ĂŒber bewusste und mehr noch unbewusste Wahrnehmung die Möglichkeit, seine Potenziale wiederzuentdecken.

Körperorientierte Wahrnehmung.
Eines der vielen am eigenen Körper erfahrenen Erlebnisse der Funktionalen Integration ist mir besonders eindrĂŒcklich in Erinnerung geblieben: Ich lag auf der Seite, und die Feldenkrais- Lehrerin begann an meiner WirbelsĂ€ule zu arbeiten, mit kaum wahrnehmbarem Druck und an jedem einzelnen Wirbel. Anschließend hob sie jeden Wirbel einzeln an seiner Unterseite minimal hoch – eine Bewegung, die von außen kaum zu sehen ist. Nachdem sie fertig war, sollte ich mich auf den RĂŒcken legen und meinen Körper bewusst wahrnehmen. Nach einigen Sekunden begann sich langsam ein eigenartiger Unterschied zwischen den beiden KörperhĂ€lften herauszukristallisieren. Die bearbeitete Körperseite fĂŒhlte sich nicht nur viel entspannter an, sondern auch flacher, breiter und wĂ€rmer, ganz so, als ob sich zwischen beiden KörperhĂ€lften eine Stufe befĂ€nde. Arm und Bein derselben Seite waren genauso entspannt. Dann wiederholte sie alles auf der anderen Seite. Anschließend drehte ich mich erneut auf den RĂŒcken, und meine Körpersymmetrie war wieder zurĂŒck. Noch nie war ich so entspannt und flach gelegen. Als ich schließlich wieder aufstehen und ein paar Schritte gehen sollte, erwartete mich die eigentliche Überraschung: Zur lockeren WirbelsĂ€ule kam eine außerordentlich deutliche Wahrnehmung der HĂŒftgelenke dazu. Das Gehen fĂŒhlte sich unvergleichlich leicht und locker an. Ich war vollkommen erstaunt und begeistert. Solche VerĂ€nderungen mit der Feldenkrais-Methode sind natĂŒrlich individuell verschieden und können von wenigen Minuten bis zu Tagen andauern. Sie zeigen, wie tiefgreifend auch die kleinste Bewegung wirken kann, und beweisen, wie schnell sich gewohnte Muskelspannungen und -verspannungen lösen können.

 

Frisch gedreht ist halb gewonnen

Legen Sie sich auf den RĂŒcken, stellen Sie die Beine an und schlagen Sie das rechte Bein ĂŒber das linke. Lassen Sie jetzt langsam die Beine nach rechts sinken. Nicht hinunterdrĂŒcken. Bleiben Sie in dieser Position (die Beine mĂŒssen nicht den Boden berĂŒhren), legen Sie den linken Arm ganz nach oben neben den Kopf auf den Boden (wenn der Arm den Boden nicht berĂŒhrt dann lassen Sie ihn schwebend in der Luft). Vertiefen Sie nun in dieser Position den Atem. Kehren Sie langsam in die RĂŒckenlage zurĂŒck. Nach einer kleinen Pause wiederholen Sie die Übung mit den Beinen andersherum.

Frisch gedreht ist halb gewonnen